Hämi's Eifel-Diplom
- oder wie kratze ich die Kurve auf einer Eifel-Motorradtour
Die "Ehrenurkunde"5. September 2009
Ein paarmal sind wir in den Weiten des www darüber gestolpert, aber wir hatten bis dato noch keinen persönlich getroffen, der schonmal dran teilgenommen hat: an "Hämi's Eifeldiplom". Vielleicht ist das ja wie mit McDoof, wo angeblich ja auch nie einer hingeht.
Also haben wir beschlossen, mal mit unserem Reisetourer, seinerzeit eine BMW K 100 RT, an dieser Eifel-Motorradtour teilzunehmen. Im Juni angemeldet, hatten wir gerade noch Glück, einen der letzten Startplätze zu ergattern.
Man bekommt zwar einen Haufen an Infos zum Drumherum, aber irgendwie fehlte mir anfangs die wesentliche Erkenntnis, worum es da en detail überhaupt geht. Vielleicht ist das ja Absicht. Aber das kann ich inzwischen auch schon wieder revidieren: Die Info-Flut geht nach der Anmeldung und Zahlung des Startgeldes munter weiter und man wird nach und nach per e-Mail in alle "Geheimnisse" eingeweiht.
Es ist die Rede von Aufteilung in Gruppen à 5 Maschinen und das Abfahren einer Strecke mit Durchfahrtskontrollen an Hand eines Roadbooks.
Ich bin selten nach einem Roadbook Motorrad gefahren, das wird sicher eine nette Abwechselung. Bisher bin ich immer noch nach dem Stand der Sonne und den Straßenschildern gefahren und es hat bisher immer noch geklappt (ok, mit einer Ausnahme).
Wenn ich die Freaks sehe, die beim Kaffeestop auf einer Eifel-Motorradtour, knapp 30 km von Zuhause entfernt, jedesmal umständlich ihre blinkenden und plärrenden Playstations vom Lenker abmontieren, weil sie ohne nicht mehr nach Hause finden, muss ich jedesmal lachen.
Bei Hämi's Tour soll's über Straßen gehen, die selbst "Eifel-oft-Fahrer" nicht kennen. Alleine deswegen wird es sich sicher lohnen, denke ich. Die ausgewählten Strecken sollen einem schon etwas abverlangen, meint Hämi (alias Hansmichael Hähle), und bescheinigt das Überstehen dieser Tour dann auch gleich mit dem dekorativen Eifel-Diplom, Alpentauglichkeit und dem bestandenen Unterschied zum "Weich-Ei-Diplom"...
Als dem Heino die Torte aus'm Gesicht fiel...
Das RoadbookAnfang September war es dann soweit. Mit drei anderen netten Teilnehmern trafen wir uns in aller Frühe in Bonn, um gemeinsam nach Bad Münstereifel zu fahren. In der dortigen Gaststätte "Printenhaus" hatte Hämi sein Tourbüro für die heutige Eifel-Motorradtour aufgeschlagen.
Wir bekamen jeder einen Umschlag mit dem Eifel-Roadbook sowie die obligatorischen Startnummern-Aufkleber in die Hand gedrückt und dann war erstmal Warten und "Moppeds gucken" angesagt. Fast 180 Motorräder waren am Start. Die Asiaten waren klar in der Überzahl, aber einige blau-weiße (oder weiß-blaue ?) Fans waren auch dabei, neben unserem Reisetourer noch ein völlig vergammelter Flyingbrick (eine rote K 100 RS) sowie die Milwaukee-Moppeds und deren fernöstliche Repliken.
Gegen 11.00 h ging's dann los. Hämi orderte jedesmal 5 Motorräder an die Startlinie und ließ sie im Minutenabstand losfahren. Er bat darum, leise abzufahren. Klar, machen wir doch.
Dummerweise hatte ich gepennt und stand im Leerlauf am Start. Beim "Go" gab ich Gas und Gas, doch das Mopped fuhr nicht los. Bei kreischenden 9500 Umdrehungen und gefühlten 2 Minuten später fiel mir dann ein, dass ich ja vielleicht mal den ersten Gang einlegen könnte. Soviel zum Thema "leise losfahren".
Dem vorwurfsvollen Blick von Hämi war zu entnehmen, dass dem Heino wahrscheinlich in seinem nahegelegenen Rathaus-Café die Haselnuss-Torte aus'm Gesicht gefallen ist...
Spannende und anspruchsvolle Etappen durch die Eifel
Bikertreff "Haus Waldfrieden" in SchuldDie erste spannende Eifel-Motorradtour-Etappe war ca. 70 km lang und führte rund um Bad Münstereifel und in die Gegend von Schuld. Die richtige Strecke mußte man an Hand des Roadbooks herausfinden. Mittendrin dann noch eine Durchfahrtskontrolle.
Zum Mittagessen trudelte die ganze Teilnehmerschar so nach und nach im bekannten "Haus Waldfrieden" in Schuld ein. Wurst und Steaks vom Grill waren absolut ok und der selbstgemachte Kartoffelsalat sogar spitze. Eine freundliche und erkennbar eingespielte Mannschaft schaffte es, die ganze "Gang" schnell abzufüttern, ohne daß man lange warten mußte.
Nach einer Stunde Pause ging es dann auf die zweite Eifel-Tour; ebenfalls ca. 70 km und ebenfalls mit einer Kontrollstelle. "Diplom-Gebiet" war die Gegend um Blankenheim und Ziel war das Waldcafé "Maus" in Nonnenbach - Mäuse und Nonnen waren aber nicht im Bach.
Dort bekamen wir von Hämi kurz das "Eifeldiplom Classic" in die Hand gedrückt und das war's dann. Da das Personal des Lokals mit dem Andrang völlig überfordert war, und das Warten auf einen Kaffee und den vorab von Hämi angepriesenen Bienenstich ewig gedauert hätte, entschloss sich unsere Gruppe, gleich wieder nach Heino-City zu fahren und im Printenhaus etwas zu trinken.
Zu Hämi's Versprechungen hinsichtlich der tollen Tourplanung: Volltreffer. Wir fahren ja oft in die Eifel und wählen nach Möglichkeit Nebenstraßen. Aber was Hämi da ausgearbeitet hat, waren zum Teil die Nebenstraßen der Nebenstraßen. Klar, einiges kannten wir schon, aber es waren auch viele neue Teilstrecken dabei, die uns begeisterten. Die ausgewählten Kurvenstrecken auf dieser Eifel-Motorradtour waren einfach toll. Es soll auf der ganzen Strecke übrigens nur eine Ampel gegeben haben; keine Ahnung, wo die war.
Leider waren einige Typen in Papageienkombis dabei, die diese Tour mit einem Renntraining verwechselt haben und es sich nicht nehmen ließen, auch in engsten Kurven wie geisteskrank zu überholen und andere Motorradfahrer sowie entgegenkommende Autos zu schneiden; dann ließen sie sich wieder zurückfallen und das gleiche Spielchen begann wieder von vorne.
Vermutlich konnten sie sich das Startgeld für eine Runde über den Ring nicht leisten und bekamen nur die 14 Euro für die Eifeltour zusammen. Das sind dann die Kandidaten, von denen man später einmal lesen wird, dass es hier und da mal wieder einen Motorradfahrer zerrissen hat. Bei allem Respekt, aber Mitleid habe ich mit solchen Vollidioten dann nicht.
Ach ja, noch etwas hatte Hämi - im Hauptberuf Zauberer - zuvor versprochen: Den Einsatz seines virtuellen "Gute-Wetter-Schalters". Vor dem Start war es noch ziemlich bewölkt, aber unmittelbar beim "Go" strahlte die Sonne bis, ja ganz genau bis zum Tourende. Da hatte Hämi den Schalter wohl schon wieder umgelegt, denn wir mußten die Heimfahrt in strömenden Regen antreten...
P.S.: Hämi untersagt ausdrücklich, die Tourdaten oder das Roadbook ins Netz zu stellen. Schreiben, dass man dabei war, darf man aber noch, und: Hämi läßt sich bei seinen Touren vom Eifel-Buch von Sylva Harasim & Martin Schempp inspirieren. Ein kleines Büchlein, dessen Auflagen immer wieder schnell vergriffen sind und das sich echt lohnt, wenn man mal eine Eifeltour selbst organisieren möchte.
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Reisetourer's Fazit:
reisetourer.de meint: Die Teilnahme an Hämi's Eifeldiplom ist absolut empfehlenswert. Auch wenn man "Eifelvielfahrer" ist, wird man zumindest einige neue Teilstrecken erkunden, die das Prädikat "atemberaubend" verdienen. Das Roadbook ist sehr gut und übersichtlich geschrieben - selbst für Roadbook-Newbies. Alleine die Streckenauswahl und das Eifel-Roadbook sind schon die Teilnahmegebühr wert.
reisetourer.de